Drei Baozi im Servierschälchen

Baozi

Feines leckeres Streetfood

Chinesische Hefeklöße mit leckerer Füllung!

Crowdfunding und Filiale — schlechte Nachrichten

Corona hat es geschafft, die Sache zu beerdigen

Liebe Baozi-Freunde,
liebe Crowdfunder!

Vielleicht habt ihr es ja auch schon gehört: Die Sache mit dem Corona-Virus hat die Welt ganz schön durcheinander gewürfelt – so auch das Baozi Business. Seit Mitte März sind nun Wochen und Monate vergangen, in denen ich die Lage sondiert und die Auswirkungen abgeschätzt habe.

Nach langer schwerer Bedenkzeit und mit einiger Überwindung habe ich mich dazu entschlossen, meine Pläne, eine Baozi-Filiale in der Dresdner Neustadt zu eröffnen, aufzugeben. Dies hat im Wesentlichen drei Gründe, die ich euch – und besonders meinen Unterstützern im Crowdfunding – ausführlich kommunizieren möchte:

1. Struktureller Grund

Das Baozi Business war von Anfang an auf die Maximierung von Freiheit und Freude angelegt. Begegnungen und das lockere Gespräch mit meinen Gästen waren ein großer Eckpfeiler, warum ich bei diesem Job überhaupt erst angetreten bin. In der derzeitigen und zukünftig am Horizont schwelenden Corona-Wirtschaft scheint dies nun nicht mehr länger möglich. Mit Parolen wie „Das Restaurant der Zukunft“ und „Der neue Arbeitsalltag“ möchte man alle gern auf eine „neue Normalität“ einstimmen: Kontaktverbote, umständliche „Hygienekonzepte“, Laufwege, Abstandsregeln, Mund-Nasen-Bedeckung, Einlasskontrollen und im schlimmsten Fall noch Erfassung von Kundendaten und einen „Immunitätsausweis“ … für derartigen Zinnober habe ich allerdings nicht unterschrieben und ich möchte das auch keinen zukünftigen Mitarbeitern zumuten. Unter diesen geänderten Rahmenbedingungen, ist eine eigene Filiale nicht mehr der nächste logische Schritt fürs Baozi Business.

Meine ursprüngliche Idee in die Gastronomie zu gehen, fußte zum großen Teil auch auf dem Gedanken, dass die Gastronomie relativ krisensicher sei, denn: „Gegessen wird immer!“ – dies stellte sich nun durch die Erfindung des „Lockdowns“ als grandiose Fehlannahme heraus: Events und Gastronomie waren die ersten die weg vom Fenster waren und die es mit am härtesten getroffen hat – während andere Branchen munter weiter produzierten, als wäre nichts gewesen oder gar Milliardengewinne einfuhren.

Die weltweiten Lockdowns ganzer Staaten haben für Störungen im filigranen Wirtschaftsnetz gesorgt, deren Auswirkungen jetzt noch gar nicht komplett abzuschätzen sind. Es ist mit einer Kaskade an Folgekrisen zu rechnen, die uns alle noch die nächsten Jahre beschäftigen wird. In dieses unsichere und durch staatliche Irrwege erwiesenermaßen unplanbar gemachte Umfeld möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt keine großen neuen Schritte mehr machen.

Im Moment – Anfang Juni 2020 – sieht es zwar so aus, als würde sich die Lage langsam wieder entspannen können, doch die „Probe für den Ernstfall“ und die medial ständig herbeigesehnte „zweite Welle“ hat gezeigt, wie es ablaufen wird: dass ich auf Gedeih und Verderb der staatlichen Willkür ausgesetzt bin, die jederzeit das öffentliche Leben lahmlegen und quasi eine Betriebsschließung erzwingen kann, ohne im Gegenzug die entsprechenden Entschädigungsleistungen zu bringen. Hier muss ich als Unternehmer die Konsequenzen ziehen.

2. Finanzieller Grund

Für meine bescheidenen Verhältnisse ist jetzt schon immenser Schaden entstanden. Bildlich gesprochen: Vater Staat hat mir mein kleines Blumenbeet komplett zertrampelt und rühmt sich jetzt damit, dass ich mir bunt lackierte Wassereimer bestellen könnte. Die Finanzierung des Filial-Projektes 2020 war immer in drei Teilen gedacht: Ein Teil aus langjährig Erspartem welches ich in den Club schmeiße, Geld aus dem Event auf der Leipziger Buchmesse die im März vor der Tür stand und ein Teil durch das Crowdfunding mit eurer Hilfe. Nun aber: Die Leipziger Buchmesse ist abgesagt worden und mein Erspartes jetzt eingerissen – kalkulatorisch betrachtet ist also der Crowdfunding-Betrag heute schon zweimal verbraucht. Keine schöne Startposition mehr, um solch ein ambitioniertes Vorhaben zu beginnen – auch hier muss ich als Unternehmer die Konsequenzen ziehen.

Ich wollte nun nicht noch ein neues Crowdfunding starten, nach dem Motto „Rettet die XY-Location“, wie es derzeit viele Etablissements tun, um ihre Stammgäste zur Vorfinanzierung des späteren Konsums zu bewegen – das hatten wir ja nun gerade eben erst absolviert. Ich muss nun einfach der veränderten Realität ins Auge blicken, mich gesundschrumpfen und neu aufstellen. Ein Kredit kommt mir nicht in die Tüte und mit dem Thema „Corona-Soforthilfe“, die von Bund und Ländern vollmundig versprochen wurde, aber in der Praxis in weiten Teilen leider vollkommen unnütz ist, möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen …

3. Persönlicher Grund

Hier ist wahrscheinlich das einzige positive an der Geschichte zu suchen: In den Wochen und Monaten des Corona-Lockdowns sind meine Freundin und ich näher zusammengerückt. Wir haben beschlossen zusammenzuziehen, was über kurz oder lang auch meinen Wegzug aus Dresden bedeutet. Nun von einem 100 km entfernten neuen Zuhause aus, eine Filiale in Dresden betreiben zu wollen, die permanente Aufmerksamkeit und tägliche Anwesenheit erfordert, verträgt sich einfach nicht mehr. Mein Lebensmittelpunkt verschiebt sich und meine Zukunftspläne verändern sich dementsprechend auch.

Und was bedeutet das nun alles?

a) Ich werde das Baozi Business wie bisher auf Eventbasis weiterführen – Messen, Streetfood-Märkte, Straßenfeste – wir werden sehen, was in Zukunft wieder möglich ist.

b) Da ich den Weg der eigenen Filiale nun nicht mehr beschreite, wird allerdings die Idee des eigenen Streetfood-Trucks wieder greifbar. In diese Richtung möchte ich perspektivisch gern investieren. Das ermöglicht mir – anders als der Zeltstand – schneller von A nach B zu kommen und auch punktuelle Events zu bespielen, beispielsweise Wochenmärkte oder eben Einzelstandplätze in verschiedenen Städten.

c) Zukünftig spiele ich mit dem Gedanken, eine Art Shop-in-Shop-Konzept zu etablieren. Dies würde mit geeigneten Partnern funktionieren, welche ihrerseits in ihren eigenen Räumlichkeiten (z.B. Kneipen, Kantinen, Restaurants, Hotels) selbst eine „Baozi Bar“ betreiben. Ich stelle dann meinen Partnern dafür die nötigen Ressourcen zur Verfügung. Auch so wäre ein Filialnetz für die Baozi-Freunde möglich zu machen. Der Franchise-Charakter des Baozi Business rückt damit wieder mehr in den Vordergrund.

Der 4+2-Punkte-Plan für meine Crowdfunder

Ihr könnt euch sicher vorstellen wie leid es mir tut, dass trotz erfolgreichen Crowdfundings das Projekt nun in der gedachten Form nicht zustande kommt – sogar die Farbe der Luftballons für die Eröffnungsfeier hatte ich mir schon ausgesucht. Das bringt mich alles in eine etwas missliche Situation. Umso wichtiger ist es mir, dass ich keinen meiner Crowdfunding-Unterstützer enttäuscht und mit einem geprellten Gefühl zurücklasse: Was ich liefern kann, liefere ich – ansonsten bin ich bereit, die Crowdfunding-Beträge zurückzuerstatten.

Dazu erlässt der kommissarische Hauptsachwalter folgende Dekrete:

1. Alle Baozi-Gutscheine behalten ihre Gültigkeit – sie können nach wie vor an Baozi-Ständen und auf Events eingelöst werden.

2. Crowdfunding-Unterstützern mit besonders vielen Gutscheinen biete ich an, auch die Baozi direkt aus meinem Kühllager in Dresden (solange der Vorrat reicht) abzuholen, dass ihr sie euch daheim zu jeder Tages- und Nachtzeit zubereiten könnt.

Ein Bambus-Däpfer: Der Baozi Business Memorial Steamer
3. Den drei Unterstützern mit den sagenhaften 177er-Gutschein-Bündeln biete ich an: Wenn ihr bei euch den entsprechenden Platz habt, borge ich euch für ein paar Monate einen meiner kleinen Kühltruhenwürfel, welchen wir mit euren Baozi füllen. Den bringe ich euch vorbei und so habt ihr einen Direktvorrat bei euch zuhause! Falls ihr euch dafür entscheidet, gibt es von mir sogar noch den „Baozi Business Memorial Steamer“ gratis mit dazu: Einen traditionellen Bambus-Dämpfer zur spielend leichten Baozi-Zubereitung am heimischen Herd. Streng limitierte Sammlerstücke, von mir höchstpersönlich handbekalligrafiert!
Ein Bambus-Däpfer: Der Baozi Business Memorial Steamer

4. Crowdfundern die weiter weg wohnen und ihre Gutscheine aber sofort einlösen möchten biete ich an, die entsprechende Baozi-Menge auch als Paket zuzusenden. Wenn die Baozi in den darauffolgenden ein, zwei Tagen zubereitet und verzehrt werden, ist dies problemlos möglich und unbedenklich.

5. Den Unterstützern mit symbolischen Dankeschöns, den Maschinenpatenschaften und den freien Beträgen: Ich überlasse es euch, ob ihr den Unterstützungsbetrag zurückerstattet haben möchtet. Da die Idee mit einem zukünftigen Streetfood-Truck als Alternative nun im Raum steht, besteht auch die Möglichkeit, eure Dankeschöns zu wandeln und auf ein Fahrzeug entsprechend anzuwenden. Ich würde dann für passende Plaketten und Beklebungen sorgen. Gebt mir bitte bis Ende des Jahres Bescheid, was ihr möchtet.

6. Den Unterstützern mit Special Events als Dankeschön, der Großen Baozi-Verkostung und dem Wettessen: Solche Veranstaltungen die in der Filiale stattgefunden hätten sind nun nicht mehr durchführbar und ich weiß nicht, ob sie irgendwann einmal in einem anderen Rahmen nachgeholt werden könnten. Ich empfehle, euch das Geld zurückerstatten zu lassen. Bitte gebt mir bis Ende das Jahres Bescheid, ob ihr dies möchtet. Ich würde sonst die Dankeschöns auch wie in Punkt 5 skizziert wandeln.


Alle Angesprochenen und Betroffenen: Bitte meldet euch bei mir, was ihr tun möchtet, wenn ihr etwas von den Punkten tun möchtet.

Krisenfiliale Böhmische Straße vom 9. Juni bis 8. Juli 2020

Eine erfreuliche Sache konnte ich allerdings noch tun: Mir ist es gelungen, einen Einzelstandplatz in der Dresdner Neustadt für einen Monat betreiben zu können. Ich befinde mich (fast) am traditionellen BRN-Standplatz: auf der Böhmischen Straße, neben der Hausnummer 25, vor den Fenstern von Hebeda’s Familieneinkehr.

Standplatz der Krisenfiliale: bei der Böhmischen Straße 25 in 01099 Dresden Öffnungszeitentafel der Krisenfiliale

Am Montag, den 8. Juni werde ich dort meinen Stand aufbauen und am Dienstag, den 9. Juni erstmals eröffnen. Ab dann werde ich versuchen, regelmäßig geöffnet zu haben.

UPDATE: Die Krisenfiliale hat stattgefunden! Nach einem hektischen und nervenaufreibenden Monat ging am 8. Juli schließlich die letzte Baozi-Portion über die Theke. Viiiiiieeeeeelen Dank an alle Besucher und Unterstützer! Ab sofort erinnert der „Gedächtnisstandort“ an diese epische Aktion.

Haltet die Augen offen, das nächste Baozi-Event ist sicherlich in Planung:

https://baozi-business.de/events/


Bis bald am Baozi-Stand!
Ciao und bis später
Persönliche Unterschrift Christian
Im Juli 2020

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